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Chronische Kieferentzündung - Störfeldsanierung

Chronische Entzündungen

Während akute Erkrankungen schnell, plötzlich und in der Regel mit Schmerzen auftreten, so sind die Ursachen chronischer Erkrankungen häufig nicht ganz klar. Chronische Erkrankungen verlaufen häufig blande (mild, reizlos, langsam) und sind daher in den allermeisten Fällen Zufallsbefunde. Der Begriff der fokalen Infektion (von einem Krankheitsherd ausgehend) ist in Zusammenhang mit Zahnherden wissenschaftlich gut dokumentiert. So weiß man zum Beispiel, dass Bakterien einer Parodontitis besonders auch das Herz befallen, eine Insulinresistenz hervorrufen und damit Diabetes begünstigen, das Herzinfarktrisiko erhöhen können und noch vieles mehr. Sogar eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Frühgeburten konnte nachgewiesen werden.

BIOPHYSIODENT - Biologische Zahnmedizin

 

1. Wurzelbehandelte Zähne

Bakterien toter, abgestorbener Zähne, welche eine Entzündung an der Wurzelspitze zeigen, produzieren Toxine, sog. Schwefelwasserstoffverbindungen, welche zu einer irreversiblen Hemmung am aktiven Zentrum vieler lebenswichtiger körpereigener Enzyme führen und somit vielfältige System- und Organ-Erkrankungen hervorrufen können.

Entzündliche Veränderungen an den Wurzelspitzen von wurzelkanalbehandelten ZähnenEntzündliche Veränderungen an den Wurzelspitzen von wurzelkanalbehandelten Zähnen

Das Problem wurzelkanalbehandelter Zähne ist, dass neben den großen 1-5 Wurzelkanälen, welche gut desinfizierbar sind, 14.000-32.000 Dentinkanälchen (Dentintubuli) pro 1mm2 Wurzeloberfläche existieren. Zum einen können diese vom Zahnarzt nicht komplett desinfiziert werden. Zum anderen haben diese Kanälchen einen Durchmesser von 3-5µm, Bakterien von 0,6 - 1µm und körpereigene Abwehrzellen von 25-50µm. Das heißt, dass die Bakterien durch die Kanälchen hindurch und für regen Austausch sorgen können, während die körpereigenen Abwehrzellen, wie die Katze vor dem Mauseloch, nicht hindurch kommen und somit diese auch nicht abwehren können 8. Die von den Bakterien produzierten Toxine werden somit bei jedem Kauvorgang an das Blut- und Lymphsystem abgegeben.

Aufbau eines ZahnesAufbau eines Zahnes, Darstellung von Dentintubuli / Dentinkanälchen. Quelle: www.swiss-biohealth.com; Quelle: Root2Disease

Die schädigenden Wirkungen von Keimen aus der Mundhöhle auf den Gesamtorganismus sind gut dokumentiert und längst bekannt. Unter biologischen Gesichtspunkten gehen von wurzelkanalbehandelten Zähnen, deren Bakterien und den teilweise toxischen Füllmaterialien folgende gesundheitliche Probleme hervor:

• Toxine: Hemmung von Enzymen und Zellfunktionen (v.a. von Mitochondrien, den Zellkraftwerken)

• Bakterien: Schädigung multipler Organsysteme (Gehirn, Herz-Kreislauf usw.)

• Immunantwort: chronisch unter Stress

ImmunantwortImmunantwort

 

 

toter zahn gesunder zahn„Die Zahnmedizin ist die einzige medizinische Fachdisziplin, die es duldet, dass ein totes, abgestorbenes Organ im Körper bleiben darf.“  Quelle: www.swiss-biohealth.com

2. NICOs

NICO (neuralgia inducing cavitational osteonecrosis), FDOK (fettig degenerative Osteolyse im Kiefer) oder auch aseptische Knochennekrose genannt, ist eine vielfach unerkannte hohlraumbildende Art von Entzündung im Kiefer. Der Verlauf ist meist in der eigentlichen Region asymptomatisch und chronisch weshalb sie meist nur als Zufallsbefunde entdeckt werden. Der chronische Verlauf als sog. "silent inflammation“ stellt für den Körper ein Störfeld im Sinne eines neuromodulativen Triggers dar und sollte deshalb immer behandelt werden.

Die Entstehung von NICOs ist noch nicht sicher geklärt. Vielfach wird von aseptischen (keimfreien) Knochen-Nekrosen geschrieben, die nach Durchblutungsstörungen (Infarkten) im Kieferknochen entstehen. Der betreffende Knochenbezirk stirbt ab und es bilden sich Hohlräume, gefüllt mit fettig degeneriertem Gewebe mit fettiger Flüssigkeit (Ölaugen), gestörten Zellen und Ansammlungen von Bakterien und Schwermetallen.

NICOs treten vor allem nach Zahnentfernungen auf. Insbesondere dann, wenn sich der Patient in einem Nährstoffmangelzustand befindet und während der Operation kein spezielles Regenerationsprotokoll verwendet wird (Piezosurgery, Ozon und Choukroun-APRF, Ernährungsprotokoll). Ebenfalls kommen NICOs häufig im umliegenden Gewebe von wurzelkanalbehandelten Zähnen vor. NICOs sind in der Region selbst häufig sogar gänzlich schmerz- und reizlos und manifestieren sich eher systemisch.

NICO AblaufNICO- Vermutete Pathogenese

NICO BilderLinks: eröffnete Situation, brauner, fettiger Knochen (Quelle: swiss-biohealth.com), Mitte: gesunder Knochen und NICO Knochen bei einem Humanpräparat (Quelle: swiss-biohealth.com), Rechts: Histologische Nachweise der entzündlichen Infiltrate Quellen: Bild oben: Lechner J. Aseptic-avascular osteonecrosis: local "silent inflammation" in the jawbone and RANTES/CCL5 overexpression. Clin Cosmet Investig Dent. 2017 Nov 9;9:99-109. doi: 10.2147/CCIDE.S149545. eCollection 2017 und Bild unten: Prof. Wainwright, Kavitätenbildende Osteonekrosen des Kieferknochens – Mythos oder Realität?

 

NICOs und verändertes Milieu von Zellmediatoren / Zytokinen:

• NICOs und Fettgewebe: Das Fettgewebe wird heute als endokrines Organsystem mit hohem Informationsaustausch gesehen. Ischämische Läsionen führen zur Degeneration und Veränderung der Fettzellen. Es kommt zu einem gestörten Haushalt der Fettzellmediatoren und damit einem gestörten Informationsfluss.

• NICOs und IL-1ra (Interleukin 1 Rezeptorantagonist) Interleukine sind Botenstoffe der Zellen des Immunsystems und somit an jeder Immunreaktion beteiligt (diese werden zusammengefasst Zytokine genannt). Ist man krank, so entwickelt der Körper in dieser Phase Interleukin 1 beta (IL-1b). Dieses IL-1b passt ganz exakt, wie beim Schlüssel-Schloss-Prinzip, zu dem IL-1-Rezeptor. Es kommt zu Fieber und zur Aktivierung von Abwehrzellen. Das ist ganz normal und auch wichtig, damit die „Krankheit“ am besten regional an Ort und Stelle bekämpft werden kann. Interleukin 1 Rezeptorantagonist (IL-1ra) ist ein sog. Inhibitor vom akuten Phase Zytokin IL 1-b und wirkt passiv kompetitiv.

IL-1ra Blutspiegel sind bei NICOs deutlich erhöht. IL-1ra wird von degenerierten, bzw. gestörten Fettzellen und Immunzellen chronisch überproduziert. Das heißt, gibt es neben IL1-b auch vermehrt IL-1ra, so passt nicht mehr nur ein Schlüssel in das Schloss, dem IL-1-Rezeptor, sondern nun zwei - IL-1b und IL-1ra. Die folgen davon sind gravierend: Zum einen kann der gewünschte Abwehreffekt von IL-1b weniger in Kraft treten und zum anderen stellen die Körperzellen aufgrund des erhöhten Aufkommens von zu vielen „Schlüsseln“ nun auch noch weniger „Schlösser“ her (IL-1-Rezeptoren). Es kommt zu einer immunologischen Downregulation. Die Entzündungen in den NICOs bleiben aufgrund der niedrigen Entzündungszeichen häufig unentdeckt - sie sind im Tarnkappenmodus unterwegs.

 NICO ÜbersichtÜbersicht häufiger Zytokine in NICOS; IL-1ra und RANTES! Quelle: Dr. Johann Lechner

 

• NICOs und RANTES

RANTES, bzw. auch CCL-5 genannt, ist ein in NICOs in sehr hoher Konzentration vorkommendes Zytokin 15, 16. Man geht davon aus, dass das Zytokin hauptsächlich aufgrund des hypoxischen, sauerstoffarmen Zustandes des NICOGewebes von den gestörten Fettzellen (Adipozyten) gebildet wird. Dieser hypoxische Zustand des Gewebes entsteht bspw. durch Durchblutungsstörungen in der Region nach der Operation (durch Nährstoffmangelzustand des Patienten und fehlendes Regenerationsprotokoll während der OP). RANTES ernährt lokal die Entzündung und lockt zusätzlich weitere Entzündungszellen an - es entsteht ein „circulus vitiosus“, ein Teufelskreis.

 

NICO MolekülGrafik Molekularstruktur RANTES / CCL5; Quelle: Wikipedia

 

Erhöhte RANTES-Werte stehen in Zusammenhang mit einer Vielzahl an Krankheiten. Es wir vermutet, dass NICO-Läsionen eine chronische Quelle für RANTES für systemische Erkrankungen ist.

• RANTES und Nervenzellen - Alzheimer: Nervenzellen (Astrozyten) reagieren auf RANTES und geben Entzündungsfaktoren frei und locken weitere Entzündungszellen an. Die genauen Mechanismen sind noch nicht bekannt. Alzheimerpatienten zeigen jedoch deutlich erhöhte Serumlevel an RANTES.

• RANTES und Multiple Sklerose: RANTES ist in Gehirnläsionen und Rückenmarksflüssigkeit von Patienten mit Multipler Sklerose erhöht im Vergleich zu Kontrollgruppen. RANTES steht im Verdacht an der Krankheitsentwicklung von MS beteiligt zu sein.

• RANTES und Parkinson: Studien zeigen, dass je höher das RANTES-Serumlevel ist, desto schwerwiegender der Verlauf von Parkinson.

• RANTES und Migräne: Deutlich höhere RANTES-Werte bei Patienten mit Migräneattacken als bei gesunden Kontrollgruppen.

• RANTES und Trigeminusneuralgie: Die Mehrheit der Trigeminalganglien sind latent von Herpes simplex-Viren Typ-1 infiziert. Die Viren triggern die Produktion von RANTES.

• RANTES und Krebs: Die Tumorentstehung und das Tumorwachstum sind abhängig vom immunologischen Mikromilieu. Erste Studien deuten daraufhin, dass tumorunterstützende regulatorische CD4 T-Zellen über RANTES und dessen CCL5 Rezeptor gefördert werden. RANTES ist in Tumorgeweben deutlich erhöht und gilt als Faktor für Brustkrebsprogression und -metastasierung.

• RANTES und Gelenke: In Laboruntersuchungen wurden Gelenkzellen (Synovial-Fibroblasten) im Entzündungszustand untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass diese bei rheumatoiden Patientenbeschwerden RANTES produzieren und so die Entzündung am leben erhalten.

• Des Weiteren wird RANTES mit Asthma, Allergien, Allopezie und atopischen Ekzemen in Verbindung gebracht.

RANTES ist somit häufig bereits selbständiger Bestandteil einer Erkrankung. Zusätzlich kann RANTES aus den NICO Läsionen als weiteres „Öl ins Feuer gießen“ angesehen werden und somit die Krankheitsschübe verstärken und am Leben erhalten!

 

FAZIT: Entzündungen der Wurzelspitzen und stille Kieferknochenentzündungen führen vielfach zu systemischen Wecheslwirkungen und erzeugen lokal Defekte des Keiferknochens. Haben Sie wurzelbehandelte Zähne oder Kieferleerstellen? Lassen Sie die Regionen untersuchen. Hierfür empfehlen wir eine 3D-Aufnahme (DVT) des Ober- und Unterkeifers.

BIOPHYSIODENT - Biologische Zahnmedizin

BIOPHYSIODENT - Biologische und Physiologische Zahnmedizin zielt darauf ab, Ihnen als Patienten mehr zu geben, als die reine Kaufunktion Ihrer Zähne. Die Auswirkungen auf Ihre Gesamtgesundheit und die Zusammenhänge mit chronischen Erkrankungen (z.B. Diabetes, Herzkreislauferkrankungen usw.) sind studientechnisch gut belegt und wichtig für Sie als Patienten und uns als Ihre Behandler, um zu verstehen, wie wir Sie im Bezug auf Ihre Körpergesundheit maximal unterstützen können.

WEIL SIE FÜR UNS MEHR SIND ALS NUR IHRE ZÄHNE!

Ihr Dr. Max Riemann


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